Rolling-Release-Distributionen wie CachyOS bieten Anwendern stets aktuelle Pakete, setzen aber voraus, dass Systempflege und Updates sorgfältig erfolgen. Bei der aktuellen Veröffentlichung liegt der Fokus weniger auf neuen Oberflächen-Features als auf technischer Substanz: Performance-Feinheiten, Vorarbeiten für eine Server-Edition sowie ein größerer Umbau des eigenen Paketmanagers.
Worum es bei CachyOS geht
CachyOS beruht auf Arch Linux, liefert jedoch eine neu aufgesetzte Paketbasis mit CPU-spezifischen Optimierungen und einem eigenen Kernel, der auf Reaktionsfähigkeit getrimmt ist. Zielgruppe sind Nutzer, die maximale Desktop-Performance wollen, ohne auf die Vorteile eines rolling release verzichten zu müssen.
Server-Edition: technische Vorarbeiten
Die Entwickler hatten bereits angekündigt, an einer speziellen Server-Edition zu arbeiten, beispielsweise mit Blick auf NAS-Setups oder Hosting-Umgebungen. In der aktuellen Version sind konkrete Schritte sichtbar: Der Kommandozeilen-Installer erhielt experimentelle Unterstützung für Installationsprofile, die auf die Server-Variante ausgerichtet sind. Das ist ein wichtiger Meilenstein, weil sich so automatisiertere, auf Serverrollen zugeschnittene Installationen vorbereiten lassen.
Grafische Installer-Änderungen
Der grafische Installer wurde an mehreren Stellen erweitert, vor allem bei der Auswahl und Konfiguration von Desktop-Umgebungen und Display-Managern. Beispiele aus der neuen Ausgabe:
- Für Hyprland gibt es eine Noctalia-Option, die SDDM durch noctalia-greeter ersetzt.
- Cinnamon wechselt standardmäßig zur Verwendung von lightdm-slick-greeter.
- GNOME erhält Unterstützung für gvfs-dnssd, was die Zeroconf-/Bonjour-Erkennung verbessert.
- COSMIC bringt künftig cosmic-monitor mit.
Solche Anpassungen erleichtern die Out-of-the-box-Nutzung unterschiedlicher Desktop-Stacks und verbessern die Integration von Netzwerkdiensten und Greeters.
Shelly v3: Paketmanager neu geschrieben — jetzt in Zig
Im April wurde Shelly bereits zum Standard-GUI-Paketmanager von CachyOS und ersetzte Octopi. Mit dieser Ausgabe erhält Shelly seine bislang größte Änderung: Version 3 ist komplett von C# nach Zig portiert worden. Durch den Wechsel weg von einer verwalteten Laufzeit zu nativen Binärdateien profitieren Anwender von kürzeren Startzeiten und geringerem Speicherverbrauch.
Neue Funktionen in Shelly
- Erstes Start-Erlebnis: Ein Onboarding-Screen erscheint beim ersten Aufruf.
- Ansichten: Pakete lassen sich in Listen- und Gitter-Darstellung durchsuchen.
- AUR-Unterstützung: Vorschau von PKGBUILDs inklusive Build-Ausgabe.
- Utilities-Seite: Funktionen zum Synchronisieren der Datenbank, Aufräumen des Cache und Entfernen verwaister Pakete.
- CLI-Funktionen: Die Kommandozeilen-Version kann Repositories und AUR zentral durchsuchen sowie Update-Checks über offizielle Repos, AUR, AppImage und Flatpak ausführen.
Diese Verbesserungen machen Shelly sowohl für Desktop-Anwender als auch für Nutzer, die lieber im Terminal arbeiten, nützlicher.
Update-Mechanik: Cachy-Update und Tray-App
Das Update-Frontend Cachy-Update läuft jetzt auf Arch-Update v4.x. Der zugehörige Systray-Applet wurde in Rust neu implementiert. Neu ist zudem die Option –check –enable, die zwei Schritte kombiniert: sie aktiviert automatisierte Update-Prüfungen und startet gleichzeitig das Tray-Icon. Dadurch fällt ein manueller Zwischenschritt weg und die Update-Überwachung lässt sich schneller aktivieren.
Handheld-Unterstützung und Willkommens-App
Die Distribution pflegt auch Varianten für Handheld-Geräte. Die Erkennung entsprechender Hardware geschieht derzeit über Pattern-Matching des Board-Namens (chwd). Dabei wurden Robustheitsverbesserungen vorgenommen: die Erkennung funktioniert besser, wenn die DMI-Datei mit dem board_name fehlt, und es wurde bulgarische Lokalisierung ergänzt.
Außerdem erhielt die Welcome-App eine Überarbeitung der DNS-Handhabung. Das behandelte einen Fehler, der die sogenannte Speedtest-basierte Server-Rangfolge daran hinderte, tatsächlich den schnellsten Spiegel auszuwählen. Nach der Korrektur sollte die Auswahl wieder zuverlässig die schnellsten Repositorien bevorzugen.
ISOs und Upgrade-Pfad
Neue ISOs stehen bereit: Ein Desktop-Image mit den CPU-Optimierungen für den klassischen Desktop-Einsatz und ein Handheld-Image für Geräte wie Steam Deck, ROG Ally oder die Legion-Serie. Bestehende Installationen müssen nicht neu aufgespielt werden; ein Upgrade reicht.
Aktualisieren lässt sich das System bequem über Shelly: Im grafischen Paketmanager gibt es eine „Update“-Seite, auf der nach einem Datenbank-Sync neue Pakete angezeigt werden. Ein Klick auf „Check Again“ ruft Updates aus den offiziellen Repositories, dem AUR und Flatpak zusammen ab. Alternativ können Nutzer die CLI-Version von Shelly verwenden, die dieselben Funktionen per Kommandozeile bereitstellt.
Fazit
Die jüngste CachyOS-Veröffentlichung legt Schwerpunkte auf Stabilität, Tooling und Vorbereitung neuer Produktvarianten statt auf große Desktop-Neuerungen. Der Umbau von Shelly auf native Zig-Binaries ist ein signifikanter technischer Schritt, der spürbare Verbesserungen bei Startzeit und Speicherverbrauch bringen sollte. Gleichzeitig zeigen die Installer-Änderungen und die experimentellen Server-Profile, dass das Team an einer breiteren Produktpalette arbeitet. Für Anwender bedeutet das: aktuelle ISO-Images, bequemere Update-Werkzeuge und erste Grundlagen für eine dedizierte Server-Edition — alles ohne Neuinstallation für bestehende Systeme.