SimpleX Chat, ein auf Privatsphäre ausgerichteter Messenger ohne Telefonnummern, E‑Mail‑Adressen oder klassische Benutzerkonten, hat eine Beteiligungskampagne gestartet. Über die Crowdfunding‑Plattform Wefunder können Nutzer künftig über ein SAFE (Simple Agreement for Future Equity) in das Projekt investieren. Die Initiative soll dem Team finanzielle Stabilität verschaffen und Kapazitäten für Produktentwicklung und Personalaufbau erweitern.
Was ist SimpleX Chat?
SimpleX Chat ist ein privater Messagingdienst, der bewusst auf die üblichen Identifikationsdaten wie Telefonnummern oder E‑Mail‑Adressen verzichtet. Das Projekt wirbt damit, keine Daten für externe Dienste oder Behörden zu liefern und legt Wert auf ein dezentrales Betriebsmodell. Gründer des Projekts ist Evgeny Poberezkin.
Die Finanzierungsstruktur: SAFE über ein SPV
Das Investitionsangebot läuft über ein SAFE—eine Simple Agreement for Future Equity—das über Wefunder angeboten wird. Für frühe Investoren gibt es einen sogenannten Early Bird SAFE: Die ersten 450.000 US‑Dollar erhalten einen Bewertungscap von 40 Millionen US‑Dollar. Sobald dieser Tranche ausgefüllt ist, wird ein zweiter SAFE zu einem Cap von 45 Millionen US‑Dollar angeboten.
Wichtig zu wissen: Das Geld fließt nicht direkt in eine SAFE‑Vereinbarung mit SimpleX Chat selbst, sondern in eine Special Purpose Vehicle (SPV). Die SPV hält das SAFE, und Anleger unterzeichnen eine eigene Subscription Agreement mit der SPV.
Finanzierungsziele und zeitlicher Rahmen
Die Kampagne hat einen Mindestbetrag von 50.000 US‑Dollar. Sollte lediglich dieser Mindestbetrag erreicht werden, sollen die Mittel dafür eingesetzt werden, die laufenden Betriebskosten zu decken und den Betrieb eine Zeitlang aufrechtzuerhalten. Das vollständige Finanzierungsziel liegt bei 1.235.000 US‑Dollar. Mit Erreichen der vollen Zielsumme plant das Team, zusätzliches Personal einzustellen, eine browserbasierte Messaging‑Lösung zu entwickeln, Werkzeuge für Publisher bereitzustellen und ein Framework für interaktive Widgets zu erarbeiten.
Die Aktion wurde als Friends‑first‑Softlaunch gestartet und war bei Redaktionsschluss Mitte August bereits zur Hälfte ihres Angebotsbetrags finanziert (Stand 11. August). Die Friends‑first‑Phase sollte am 15. August schließen.
Unternehmensstruktur und Standorthinweis
Formell ist SimpleX Chat Ltd, die ursprünglich für die Entwicklung zuständige Gesellschaft, inzwischen eine hundertprozentige Tochter einer US‑Holding mit dem Namen SimpleX Chat, Inc. Der Wechsel in eine US‑Holding kann für potentielle Investoren bei der Bewertung rechtlicher und steuerlicher Aspekte relevant sein; Anleger sollten daher prüfen, welche Rechtsordnung für ihre Investition gilt.
Geschäftsmodell und Betriebskosten
Das Team erwartet, dass Hosting‑Kosten mittelfristig sinken, wenn unabhängige Betreiber Teile der Netzwerk‑Infrastruktur übernehmen. Als künftige Einnahmequellen nennt das Projekt neben bezahlten Angeboten für Firmen öffentliche Namen, Business‑Services und ein System namens Community Credits: Ein Modell, bei dem große Kanäle für die von ihnen beanspruchten Serverressourcen zahlen.
Risiken — typische Frühphasenprobleme
Die Kampagne ist keine Garantie für Rendite; wie bei jedem Beteiligungsangebot in sehr frühen Entwicklungsstadien ist die Investition illiquide und kann nicht einfach verkauft werden. Das Unternehmen selbst weist darauf hin, dass ohne weitere Mittel die finanziellen Ressourcen voraussichtlich nicht für mehr als zwölf Monate ausreichen.
Schon früher in diesem Jahr stand mit dem Messenger Session ein anderes Projekt kurz vor dem Aus, weil die Kassen leer waren; dort konnten nach einer Notfinanzierung die Arbeiten zwar wieder aufgenommen werden, allerdings nur mit deutlich weniger Entwicklern als zuvor. Solche Beispiele zeigen, wie sensibel Messaging‑Projekte auf Finanzierungslücken reagieren.
Für wen ist ein Investment sinnvoll?
Die Beteiligung über Wefunder richtet sich formal an Investoren, die das Risiko junger Technologieunternehmen verstehen und tragfähige Illiquiditätszeiten akzeptieren. Für Nutzer, die SimpleX Chat vor allem aus Datenschutzgründen nutzen, ist eine finanzielle Beteiligung auch Ausdruck von Community‑Support, ersetzt aber nicht die Prüfung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.
Vor einem Investment sollten Anleger klären: Unter welcher Rechtsordnung steht die SPV? Welche Rechte und Pflichten ergeben sich aus der Subscription Agreement? Welche Exit‑Szenarien erscheinen realistisch? Bei Unsicherheit sind Rechts‑ oder Finanzberater hinzuzuziehen.
Fazit
Mit dem Angebot, Nutzer an SimpleX Chat zu beteiligen, geht das Projekt einen Weg, der über klassische Spenden oder Nutzungsumsätze hinausgeht. Die Struktur mit Early‑Bird‑SAFE und SPV ist nicht ungewöhnlich bei Crowdfunding‑Finanzierungen, bringt aber typische Frühphasenrisiken mit sich. Für Nutzer, die das Produkt und seine Ziele unterstützen möchten und bereit sind, ein Risiko einzugehen, kann das Angebot interessant sein. Alle anderen sollten die rechtlichen Details und die eingeschränkte Liquidität vor einer Entscheidung genau prüfen.