Das klassische Linux‑Musikprogramm Rhythmbox ist in Version 3.5.0 erschienen. Das Update bringt mehrere für Nutzer relevante Verbesserungen: Abonnements und Wiedergabefortschritte von Podcasts lassen sich nun über den gpodder.net‑Dienst synchronisieren, die Lyrics‑Funktionen wurden erweitert und intern wurde der Player‑Backend‑Mechanismus auf einen „multistream“‑Ansatz umgestellt. Darüber hinaus adressiert das Release das 32‑Bit‑Zeitproblem von 2038 sowie diverse Fehler- und Metadaten‑Anpassungen.
Podcast‑Sync: Abos und Fortschritt zwischen Clients teilen
Neu in Rhythmbox 3.5 ist ein Podcast‑Plugin, das die gpodder.net‑API nutzt. Damit können Podcast‑Abonnements und die Wiedergabestände über mehrere Anwendungen hinweg synchronisiert werden. Die Synchronisation funktioniert mit gängigen self‑hosted Sync‑Servern, etwa oPodSync oder PinePods, so dass Anwender die Kontrolle über eigene Dienste behalten können.
Die Podcasts‑Seite der Anwendung wurde ebenfalls überarbeitet: Die Episode‑Liste zeigt jetzt an, welche Beiträge bereits gehört wurden, sodass Mehrfachwiedergaben vermieden werden. Auch die Benachrichtigungen im Zusammenhang mit Podcasts wurden neugestaltet.
Multistream‑Backend ersetzt xfade
Einer der technisch bedeutsamsten Änderungen in 3.5.0 ist die Standardaktivierung des zuvor optionalen „multistream“‑Player‑Backends. In der vorherigen 3.4.9‑Version war dieses Backend bereits angeboten worden; mit 3.5.0 ist es nun der Standard und ersetzt das frühere xfade‑System.
Der Grund für den Wechsel liegt in der moderneren Architektur: Während xfade eine einzige Audio‑Pipeline aufbaute und Übergänge selbst mischte, führt der multistream‑Ansatz für jeden Titel eine eigene Pipeline. Das erlaubt es zeitgemäßen Sound‑Servern wie PipeWire oder PulseAudio, das Mischen der Streams zu übernehmen — Aufgaben, die diese Systeme effizienter bewältigen.
Ein Nebeneffekt der Auslagerung der Mischarbeit an den Systemsound‑Server ist eine geringere Codebasis innerhalb von Rhythmbox. Dadurch verringert sich auch der Wartungsaufwand für die Player‑Logik.
Auswirkungen für Anwender
Für Nutzer bedeutet die Umstellung in der Regel bessere Kompatibilität mit modernen Audiostacks und potenziell stabilere Crossfades und Übergänge. Distributionen, die eigene UI‑Anpassungen vornehmen, können weiterhin spezielle Anpassungen beibehalten; upstream Rhythmbox unterscheidet sich mitunter von den in den Distributionen verfügbaren Paketen.
Lyrics: Quellen und Formatunterstützung
Das Song‑Lyrics‑Plugin wurde in Version 3.5.0 verbessert. Standardmäßig bezieht es Lyrics von lrclib.net. Zusätzlich liest Rhythmbox nun Lyrics aus .lrc‑Dateien, die zusammen mit Titeln abgelegt sind, oder aus in .ogg‑Dateien eingebetteten Lyrics.
Wichtig für Nutzer, die eingebettete Lyrics nutzen möchten: Das Auslesen von Lyrics aus .ogg‑Containern verlangt GStreamer in der Version 1.25.90 oder neuer. Ohne diese GStreamer‑Version stehen nur die externen .lrc‑Dateien oder die Online‑Quellen zur Verfügung.
Sonstige Fehlerbehebungen und Pflege
Rhythmbox 3.5.0 behebt das bekannte 32‑Bit‑Zeitproblem im Zusammenhang mit dem Jahr 2038, das bei Zeitstempeln auf 32‑Bit‑Systemen auftreten kann. Darüber hinaus hat das Release verschiedene kleinere Fehlerkorrekturen und Aktualisierungen an Paketmetadaten erhalten.
Bezug, Build‑Optionen und Distributionen
Wer die neue Version ausprobieren möchte, kann Rhythmbox 3.5.0 aus den Quellen bauen. In einem Test wurde der Build auf Ubuntu 26.04 LTS jedoch als fehlerhaft beschrieben. Als einfachere Alternative bietet sich der Flatpak‑Build auf Flathub an; dieser Flatpak ist aktuell noch unbestätigt/„unverified“, könnte aber zeitnah verifiziert werden.
Ein Hinweis für Ubuntu‑Nutzer: Die in den Distribution‑Repos bereitgestellten Rhythmbox‑Pakete weichen mitunter vom upstream‑Look ab, da Ubuntu eigene UI‑Anpassungen vornimmt, um die Anwendung besser in die Desktop‑Umgebung einzufügen.
Fazit
Rhythmbox 3.5.0 ist ein wartungs‑ und nutzerorientiertes Update, das besonders bei Podcast‑Nutzern und bei Anwendern moderner Audiostacks Punkte gutmacht. Die Integration von gpodder.net‑Sync, die verbesserte Lyrics‑Unterstützung und die Umstellung auf ein multistream‑Backend bringen Pragmatismus und Kompatibilität. Anwender, die auf stabile Distribution‑Pakete angewiesen sind, sollten prüfen, ob ihre Distribution die neue Version bereits anbietet oder vorerst zur Flatpak‑Variante greifen.