Kagi hat für die Linux‑Variante seines Browsers Orion ein größeres Beta‑Update veröffentlicht. Orion 0.4.1 bringt mehrere Funktionen, die Nutzer von macOS und iOS bereits kennen, verbessert Stabilität und Performance und ergänzt die Oberfläche um Komfortfunktionen wie eine Toolbar‑Overflow‑Leiste und eine Link‑Vorschau. Die Linux‑Fassung basiert auf WebKitGTK und wird derzeit als Flatpak über ein eigenes Repository verteilt.
Worum handelt es sich bei Orion?
Orion ist ein auf Mac und iOS bekanntes Browsersystem, das Kagi als Alternative zu etablierten Chromium‑ und Firefox‑basierenden Produkten positioniert. Die Linux‑Variante ist eine auf WebKitGTK aufsetzende Portierung, die auf moderne GTK4‑/libadwaita‑Optik setzt. Ziel ist es, viele der Funktionen der Apple‑Versionen auch unter Linux verfügbar zu machen – allerdings noch nicht in vollem Umfang, denn sich noch in Arbeit befindliche Features fehlen teils.
Wesentliche Neuerungen in Version 0.4.1 (Beta)
Die Version 0.4.1 baut auf der öffentlichen Beta 0.3.0 vom Mai auf und ergänzt eine Reihe praktischer Funktionen:
Private Fenster
Orion unterstützt nun funktionierende private Fenster. Diese bieten die üblichen Vorteile des inkognito‑ähnlichen Surfens und sind ein zentraler Schritt hin zu einem Alltagsbrowser, besonders für Nutzerinnen und Nutzer, die Sitzungsdaten getrennt halten möchten.
Download‑Manager (grundlegend)
Ein erster, noch schlicht ausgestalteter Download‑Manager ist integriert. Er ist funktionsfähig und erlaubt das Verwalten laufender und abgeschlossener Downloads, dürfte aber noch nicht den Funktionsumfang etablierter Browser‑Manager erreichen.
Toolbar‑Overflow‑Menü
Die neue Overflow‑Leiste erlaubt es, Toolbar‑Schaltflächen aus dem direkten Sichtbereich auszublenden, ohne sie unzugänglich zu machen. So lassen sich die wichtigsten Bedienelemente sichtbar halten und selten genutzte Funktionen auslagern.
Link‑Vorschau (Quick‑Look‑ähnlich)
Eine Vorschaufunktion für Links erlaubt Einblicke in ein Ziel, ohne einen neuen Tab zu öffnen. Die Umsetzung ähnelt dem macOS „Quick Look“ für Webseiten: Beim Rechtsklick auf einen Link erscheint ein Eintrag im Kontextmenü, über den die Vorschau geöffnet wird. Aktuell fehlt eine Tastenkombination zur Aktivierung (auf macOS ist beispielsweise Shift‑Klick möglich). Die Preview lässt sich nicht in der Größe verändern, bietet jedoch einen Button zum Öffnen der Seite in einem Tab.
Programmable Buttons
Mit den sogenannten Programmable Buttons lassen sich eigene Toolbar‑Schaltflächen anlegen, die beim Klick Code ausführen oder Bedingungen auf Seiten anwenden – vergleichbar mit Bookmarklets. Die Aktionen können in einem integrierten Editor erstellt und bearbeitet oder über eine URL importiert werden. Auf GitHub pflegt Orion eine Sammlung quelloffener Vorlagen, die als Inspirationsquelle dienen.
Lokaler Sync (Export/Import)
Während die macOS/iOS‑Versionen iCloud für Lesezeichen, Tabs und Co. nutzen, bietet die Linux‑Beta jetzt eine lokale Synchronisationsoption: Wichtige Browserdaten lassen sich exportieren und in einer anderen Installation wieder importieren. Kagi plant mittelfristig auch einen eigenen Cloud‑Sync‑Dienst, dieser ist aber noch nicht verfügbar.
Weitere, kleinere Änderungen
- Button zum Öffnen einer Seite im Internet Archive; wird auch eingeblendet, wenn eine Webseite nicht lädt.
- Adressleisten‑Suche: Eigene Suchmaschinen lassen sich hinzufügen und verwenden.
- Weitere Basis‑Shortcuts, darunter F5 zum Neuladen.
- Die Seitenleiste wurde umbenannt: „Windows“ heißt jetzt „Tab Groups“.
- In der Passwortverwaltung gibt es die Option „Never for This Site“.
- Lesezeichen‑HTML‑Import aus Chrome und Firefox möglich.
- Website‑Einstellungen funktionieren jetzt (z. B. Blockieren von Webfonts, Cookies).
- Low‑Power‑Mode: Inaktive Tabs werden nach einer konfigurierbaren Zeit ausgesetzt.
- Intelligent Tracking Prevention wurde für alle WebKit‑Netzwerksessions aktiviert.
Was noch fehlt oder sich in Arbeit befindet
Trotz der Fortschritte sind einige der für Orion charakteristischen, neuartigen Werkzeuge noch nicht oder nur unvollständig portiert. Dazu gehören:
- Das Entfernen von Seitenelementen (element removal) – diese Funktion ist noch in Arbeit.
- Das Umordnen von Toolbar‑Icons – derzeit nicht implementiert.
- Unterstützung für Chrome‑/Chromium‑Extensions – noch nicht vorhanden.
Außerdem weist Kagi darauf hin, dass es sich um eine Beta handelt: Nutzer:innen müssen mit Abstürzen von Webseiten und anderen Unzulänglichkeiten rechnen.
Installation unter Linux
Orion wird als Flatpak angeboten, ist jedoch nicht auf Flathub gelistet. Kagi betreibt ein eigenes Flatpak‑Repository; wer bereits Flatpak nutzt, kann das Repository hinzufügen und die App installieren. Die Befehle lauten:
flatpak remote-add --if-not-exists orion-beta https://flatpak.orionbrowser.com/orion-beta.flatpakrepo flatpak install orion-beta com.kagi.Orion
Die Anwendung basiert auf GTK4/libadwaita und benötigt daher die GNOME 50‑Runtime. Falls diese noch nicht auf dem System vorhanden ist, wird sie beim ersten Installationsvorgang automatisch mitgeladen. Aktualisierungen nimmt man per Terminal mit
flatpak update com.kagi.Orion
vor. Alternativ lassen sich Flatpak‑Pakete über grafische Paketmanager wie GNOME Software oder Bazaar pflegen; beide Tools sind in den Ubuntu‑26.04‑LTS‑Repos verfügbar.
Bewertung und Ausblick
Kagi beschreibt das Update als Schritt, der Orion dem Status eines Alltagsbrowsers näherbringt. Viele Kernfunktionen sind jetzt vorhanden oder funktionsfähig, die Gesamtstabilität wurde laut Entwickler verbessert und das UI weiter ausgefeilt. Wer experimentierfreudig ist und mit gelegentlichen Problemen leben kann, wird in der Beta nützliche Neuerungen finden. Für Anwenderinnen und Anwender, die auf maximale Erweiterbarkeit, komplette Feature‑Sets oder lückenlose Stabilität angewiesen sind, ist die Beta hingegen noch nicht die richtige Wahl.
Fehler melden
Treten Probleme auf, bittet Kagi darum, Fehlermeldungen über die offizielle Orion‑Feedback‑Seite einzureichen. So sollen verbliebene Fehler erkannt und in künftigen Beta‑Versionen behoben werden.