Linux Mint liefert im Juli mehrere sichtbare Verbesserungen: Neben neuen HWE‑Installationsabbildern mit Kernel 7.0 wurde die Systemverwaltung erweitert und das Kernel‑Handling neu organisiert. Auch die Desktopoberfläche Cinnamon hat sinnvolle Ergänzungen erhalten, insbesondere in Bezug auf Eingabemethoden und die Anzeige von Tastaturlayouts. Alle Änderungen sind derzeit noch als Vorschau auf die nächste Veröffentlichung angekündigt.
HWE‑ISOs: Linux Mint 22.3 jetzt mit Kernel 7.0
Für Anwender von Linux Mint 22.3 stehen neue HWE‑(Hardware Enablement)‑ISOs bereit, die den Linux‑Kernel 7.0 mitliefern. HWE‑ISOs richten sich vor allem an Nutzer moderner Hardware, da neuere Kernel oft erweiterte Treiberunterstützung bieten. Die Abbilder lassen sich wie gewohnt herunterladen und für Neuinstallationen verwenden; bestehende Installationen können die HWE‑Pakete alternativ über die Paketverwaltung nachrüsten.
System Administration: Environment‑Variablen und neues Kernel‑Management
Die System Administration (Systemverwaltung) wurde um eine Seite ergänzt, auf der systemweite Environment‑Variablen definiert werden können. Werte, die hier eingetragen werden, gelten global für alle Benutzer‑Sessions, sowohl grafische als auch Konsolen‑Sitzungen. Diese zentrale Verwaltung vereinfacht das Setzen von Pfaden, Spracheinstellungen oder anderen Umgebungsvariablen auf Systemebene.
Kernelverwaltung aus dem Update Manager ausgelagert
Das Kernel‑Management wurde aus dem Update Manager entfernt und als eigenständige Funktion in die System Administration integriert. Diese Neustrukturierung gilt sowohl für die reguläre Linux‑Mint‑Variante als auch für LMDE. Anstelle der bisherigen, kernel‑einzelbezogenen Anzeige setzt die neue Verwaltung auf Kernel‑Serien (z. B. die Serie 7.0) als zentrale Einheit.
Das Bedienkonzept ist bewusst simpel: Der Administrator wählt aus, welche Kernel‑Serien er verfolgen möchte und wie viele ältere Kernel erhalten bleiben sollen. Der Update Manager liefert danach Kernel‑Updates ausschließlich für die als verfolgt markierten Serien, während das System ältere, nicht mehr benötigte Kernel automatisch entfernt.
Automatische und manuelle Aufräummechanismen
Kernel‑Bereinigung erfolgt automatisch in regelmäßigen Intervallen. Zusätzlich gibt es Möglichkeiten, Aufräumvorgänge manuell anzustoßen, falls sofort Speicherplatz freigegeben werden muss. Eine nachvollziehbare Historie informiert darüber, welche Kernel wann entfernt wurden.
Die Oberfläche erlaubt es außerdem, alle installierten Kernel einzusehen und einzelne Kernel zu installieren, zu entfernen oder zu schützen. Geschützte Kernel werden bei automatischen Cleanups nicht gelöscht. Sollte ein Kernel aus einer unbekannten oder benutzerdefinierten Serie installiert werden, zeigt das Tool die zugehörige Serie an und ermöglicht es, diese Serie anschließend als verfolgt zu markieren. Bei bekannten Serien sorgt das Tool zudem für die Installation passender Meta‑Pakete, damit Updates automatisch bereitgestellt werden. Bei benutzerdefinierten Serien weist das System darauf hin, dass die weitere Betreuung in der Verantwortung des Nutzers liegt.
Cinnamon: Fcitx5‑Support, neuer Layout‑Viewer und Panel‑Feinschliff
Cinnamon hat mehrere Verbesserungen im Bereich Eingabemethoden und Bedienbarkeit erhalten. Wichtigste Neuerung ist die Unterstützung von Fcitx5 mit vollständiger Parität zwischen Wayland und X11. Wird Fcitx5 in den Einstellungen für Eingabemethoden ausgewählt, startet Cinnamon nicht mehr den ibus‑Daemon, sondern verwendet einen internen Handler, der die Zuordnung von Tastaturlayouts regelt und ansonsten Fcitx die Verantwortung übergibt.
Warum Fcitx5?
Fcitx5 ist eine moderne Eingabesystem‑Suite, die besonders für komplexe Eingabemethoden und Sprachen mit speziellen Anforderungen (z. B. ostasiatische Schriftsysteme) Vorteile bietet. Die vollständige Parität zwischen den grafischen Systemen sorgt dafür, dass Anwender unabhängig von Wayland oder X11 identische Funktionalität erwarten können.
Neuer Tastaturlayout‑Viewer
Als Ersatz für den eingestellten gnome‑kbd‑Viewer integriert Cinnamon einen eigenen Keyboard‑Layout‑Viewer. Dieser zeigt das aktuell aktive Layout an und erleichtert die Kontrolle über Tastaturbelegungen — insbesondere bei Systemen mit mehreren oder exotischen Layouts.
Panel‑Interaktion bei Vollbildanwendungen
Die Interaktion mit dem Panel, während eine Anwendung den gesamten Bildschirm einnimmt, wurde verbessert. Nutzer können nun direkter mit anderen Panel‑Elementen interagieren: Menü schließen, Applets öffnen oder andere Bereiche des Panels anklicken, ohne dass das Verhalten störend wirkt. Das sorgt für ein natürlicheres Arbeitsgefühl bei Anwendungen im Vollbildmodus.
Projekt‑Finanzierung: Spenden und Patreon
Linux Mint veröffentlicht regelmäßig Angaben zur Unterstützung durch Spender und Förderer. Im aktuellen Bericht wurden insgesamt 14.761 US‑Dollar aus 419 Einzelspenden gemeldet. Zusätzlich unterstützt eine Community von 2.353 Patrons das Projekt mit monatlichen Beiträgen in Höhe von insgesamt 5.318 US‑Dollar.
Solche Zahlen unterstreichen die anhaltende Community‑Unterstützung und finanzielle Basis für die Weiterentwicklung der Distribution und ihrer Komponenten.
Fazit und Ausblick
Die Änderungen zeigen, dass das Linux‑Mint‑Team sowohl an der Nutzerfreundlichkeit als auch an der Systempflege arbeitet: Ein übersichtlicheres Kernel‑Management reduziert Handarbeit bei der Wartung, die neue Seite für Environment‑Variablen schafft klare Verhältnisse für systemweite Einstellungen, und Cinnamon profitiert von moderner Eingabemethoden‑Unterstützung sowie praktischen Bedienverbesserungen. Da es sich um eine Vorschau auf die nächste Veröffentlichung handelt, können noch Anpassungen folgen. Nutzer, die neuere Hardware einsetzen oder Eingabemethoden wie Fcitx5 benötigen, finden mit den HWE‑ISOs und den Desktop‑Updates jedoch bereits jetzt attraktive Optionen.