Das GNOME‑Projekt hat die Beta von GNOME 51 für öffentliche Tests veröffentlicht. Die Vorabversion liefert viele kleinere und größere Änderungen in der Shell, im Mutter‑Compositor sowie in Kernanwendungen; einige Komponenten wurden zudem auf GTK4 und libadwaita überführt. Die Veröffentlichung dient dem breiten Testen vor der geplanten Fertigstellung Anfang September.
Schwerpunkte: Shell‑Benutzung und Compositor‑Funktionen
GNOME Shell erhielt in der Beta mehrere ergonomische und technische Verbesserungen. Die Auswahl beim Erstellen von Screenshots lässt sich jetzt besser per Tastatur bedienen, Mauszeiger werden in einer SVG‑basierten Variante bereitgestellt, und es gibt erste Unterstützung für die Einstellung „reduced‑motion“, die Animationen reduziert.
Darüber hinaus hat die Shell Unterstützung für Web‑Login und ein vereinheitlichtes Authentifizierungs‑Mechanismus erhalten. In Eingabefeldern funktionieren nun auch die Standardtasten für Kopieren, Einfügen und Ausschneiden konsistenter.
Mutter 51, der Wayland‑Compositor von GNOME, bringt wesentliche technische Neuerungen: Unterstützung für das Wayland‑Protokoll ext‑background‑effect‑v1 (Blur‑Effekte), die Möglichkeit, Cursor‑Implementierungen extern bereitzustellen, sowie Verbesserungen bei der Frame‑Planung. Neu ist außerdem eine eigene Gruppe für „input panel“‑Steuerungen und ein Mechanismus, globalen Shortcut‑Inhibitern das Sperren bestimmter Accessibility‑Tastenkombinationen zu erlauben.
Dateimanager und Systemeinstellungen
Nautilus (Files)
Nautilus 51 bringt praktische Verhaltensänderungen im Alltag: Wenn ein anderer Prozess oder eine App einen Ort öffnen möchte, kann dieser nun in einem neuen Tab stattfinden. Gibt es keine Vorlagen im Templates‑Ordner, zeigt das Kontextmenü jetzt trotzdem einen Eintrag für ein leeres Dokument an. Der App‑Chooser blendet die meisten doppelten App‑Einträge aus, und das Bookmark‑Icon für „Projects“ kann nun ein dediziertes symbolisches Icon verwenden.
GNOME Settings
Die Einstellungen enthalten neue Optionen für Barrierefreiheit, etwa das Deaktivieren eines Fokustimeouts. Im Bereich Nutzer wurde eine Fingerabdruckverwaltung ergänzt. Das About‑Panel wurde überarbeitet: Es bietet nun eine Schaltfläche, um die GNOME‑Release‑Notes zu öffnen, und zeigt präziser die „GNOME Shell Version“ an statt einer generellen GNOME‑Versionsangabe.
App‑Verbesserungen im Überblick
Viele der mitgelieferten Anwendungen erhielten kleinere, aber nützliche Updates:
- GNOME Software: schnellere Icon‑Ladezeiten und bessere Behandlung von PackageKit‑Repositories.
- GNOME Monitor: klarere Formulierungen bei Prozessaktionen und Optimierungen für cgroups.
- Text Editor: erlaubt Navigation zu nächstem/vorherigem Treffer, auch wenn die Suchleiste geschlossen ist.
- Calculator: merkt sich Rechnungsverläufe zwischen Sitzungen.
- Loupe (Bildbetrachter): zeigt ICC‑Profilbeschreibungen an oder generiert CICP‑Beschreibungen, wenn relevant.
Karten, Verbindungen und Kalender
GNOME Maps zeigt größere Schriftgrößen für Ortsnamen in der Seitenleiste und passt die Gestaltung an die neuen Pill‑Style‑Buttons an. Öffentliche Verkehrswege zeigen jetzt Gehzeiten in der Übersicht, Präferenzen sind im Shortcuts‑Überblick leichter erreichbar, und Routen für den ÖPNV können auch weiter entfernte Ziele berücksichtigen, die nicht unmittelbar an einer begehbaren Route liegen.
GNOME Connections, der Remote‑Desktop‑Client, unterstützt in Flatpak‑Builds nun H.264‑Encoding und kann Screenshots mit Bildunterschriften versehen. GNOME Calendar erhielt Visuelle und funktionale Verbesserungen für Monats‑ und Wochenansichten sowie den Ereigniseditor.
Spezielle Komponenten und Kiosk‑Nutzung
Die Initial Setup‑App versteht jetzt systemd‑homed‑Konten und zeigt Fehlerhinweise sowie Accessibility‑Zustände für Enterprise‑Accounts. GNOME Kiosk bietet in der Beta eine einfache Bildschirmschoner‑Funktion, Session‑Presence‑Unterstützung, ein Beispiel‑Root‑Menu und Optionen zur Konfiguration von Fensterverhalten (z. B. lock‑move, lock‑resize, set‑strut, match‑window‑type).
Vorschau, Dateivorschauer und Disks
Sushi, der schnelle Vorschauviewer für Nautilus, erweitert seine Fähigkeiten: Mehr MIME‑Typen für LibreOffice‑Dateien, Umgang mit XHTML, Zeilenumbruch in der Textansicht, Doppelklick zum Vollbild im Bildviewer und ein Kontextmenü im HTML‑Viewer gehören zur Liste der Neuerungen. Zudem wurde ESLint‑Unterstützung ergänzt.
Besonders erwähnenswert ist die Portierung der Disks‑Anwendung (GNOME Disk Utility) auf GTK4 und libadwaita. Die Oberfläche wurde hinsichtlich HIG‑Richtlinien überarbeitet, Dialoge und Bedienung wurden für bessere Zugänglichkeit poliert. Weitere Verbesserungen betreffen adaptive Mount‑Optionen, Resize‑ und Benchmark‑Dialoge, die Darstellung von Laufwerksübersichten sowie die Bearbeitung von Partitionen. Auch die Benutzerführung beim Entsperren und Vergrößern von Dateisystemen wurde optimiert; Multi‑Device‑Dateisysteme zeigen jetzt die Gesamtgröße an.
Barrierefreiheit und Lokalisierung
Orca, der Screenreader, erhielt Unterstützung für lokalisierte Zeichenketten, was die Nutzbarkeit in unterschiedlichen Sprachen verbessert. Mutter und Shell enthalten zudem Änderungen zur besseren Kontrolle von Accessibility‑Shortcuts durch globale Inhibitoren.
Testerhinweise und Zeitplan
Das GNOME‑Projekt stellt ein GNOME‑OS‑Installationsabbild bereit, mit dem Interessierte die Beta ausprobieren können. Als Vorabversion ist die Beta ausdrücklich nicht für Produktionssysteme gedacht: Funktionen sind noch nicht vollständig, und es können Fehler auftreten. Laut Ankündigung ist das endgültige GNOME 51‑Release für den 16. September terminiert.
Wer testen möchte, sollte vorab Backups anlegen und die Beta idealerweise in einer virtuellen Maschine oder auf einem separaten Testgerät einsetzen. Fehlerberichte und Rückmeldungen helfen dem Projekt, verbleibende Probleme vor dem finalen Release zu beheben.
Fazit
GNOME 51 Beta ist weniger eine radikale Neuausrichtung als eine Sammlung gezielter Verbesserungen: feinere Bedienhilfen, Compositor‑Features wie Blur‑Effekte, GTK4‑Portierungen und eine Reihe von Detailverbesserungen in Kernapps. Für Anwender und Distributionen, die früh testen wollen, bietet die Beta eine konkrete Grundlage, um Desktop‑Integration und Kompatibilität zu prüfen.