Hell Let Loose: Vietnam startet auf Steam — läuft auch unter SteamOS / Linux

admin5 Min. Lesezeit

Die taktische Mehrspieler-Erweiterung Hell Let Loose: Vietnam von Expression Games und Team17 ist offiziell auf Steam veröffentlicht worden und funktioniert auf SteamOS/Linux. Entscheidend für Linux-Spieler: Easy Anti-Cheat (EAC) ist aktiviert und bereitet in Verbindung mit Proton offenbar keine unüberwindbaren Hürden. Dennoch gibt es technische Einschränkungen und Verbesserungsbedarf, die derzeitige Spielerfahrung beeinflussen.

Kompatibilität, Anti-Cheat und Overlay

Eine der wichtigsten Fragen vor dem Start war, ob die Erweiterung mit Easy Anti-Cheat funktioniert — die Antwort lautet: ja. Das erlaubt es, das Spiel unter Proton zu nutzen, ohne dass EAC sofort zum Problem wird. Trotzdem bestehen noch Kompatibilitätsfragen rund um Epic Online Services: Die Einblendung des Epic-Overlays lädt aktuell nicht mit Proton 11 und Proton Experimental. Das hat zur Folge, dass sich Fortschritte nicht über Epic-Dienste synchronisieren lassen. Wer ausschließlich über Steam spielt, trifft dadurch jedoch keine Einschränkungen beim Spielstand.

Beim Spielstart zeigt sich außerdem ein weiteres Problem: Ein kurzes Intro-Video beziehungsweise ein Logo-Screen bleibt fehlerhaft. Das deutet auf fehlende oder nicht korrekt gehandhabte Codecs hin; bei ähnlichen Fällen hilft oft eine angepasste Proton-Version wie GE-Proton, die zusätzliche Bibliotheken bereitstellt.

Leistung und erste Benchmarks

Erste Tests auf einem Desktop-System mit Fedora KDE 44, einem Ryzen 5800X und einer Radeon RX 6800 XT bei 2560×1440 liefern ein gemischtes Bild. Mit der Preset-Stufe „High“ und TSR (100% Skalierung) lief das Spiel in gewissen Karten sehr flüssig: Auf der Wüsten-Karte wurde dauerhaft ein stabiler Bildaufbau oberhalb von 60 FPS beobachtet, selbst wenn viele Effekte gleichzeitig stattfanden.

Anders sah es auf der Karte »Quang Ngai« aus, die viel Vegetation und dichten Bewuchs bietet. Dort sanken die Bildraten teils auf etwa 45 FPS und kamen nicht wieder auf 60 FPS, wenn die Einstellung auf »High« verblieb. Die Schlussfolgerung ist daher: Auch relativ leistungsfähige Hardware profitiert von Skalierungsverfahren oder reduzierten Grafikeinstellungen. Positiv aufgefallen ist, dass es beim getesteten System kaum zu Rucklern kam; das Gameplay fühlte sich durchweg glatt an.

Technisch fehlt aktuell AMDs FidelityFX Super Resolution (FSR) als aktiv nutzbares Feature — das Team hat jedoch angekündigt, FSR in einem kommenden Patch freizuschalten. Das dürfte vor allem auf GPUs von AMD zeigen, wie sinnvoll Auflösungs-Skalierung hier zur Erhöhung der Bildrate eingesetzt werden kann.

Spielmechanik, Umfang und Rollen

Hell Let Loose: Vietnam setzt wie die Vorgänger auf groß angelegte Gefechte mit bis zu 50 gegen 50 Spielern. Kontrahenten sind die Nordvietnamesische Armee (NVA) und die US-Streitkräfte. Das Spiel betont Teamplay und eine Kettenstruktur von Befehls- und Unterstützungsrollen, um taktisches, koordiniertes Vorgehen zu fördern.

Die Erweiterung bietet sechs großflächige Karten, die sich an realen Schauplätzen orientieren, sowie mehrere Spielmodi — darunter klassische Modi wie »Offensive« und »Warfare« sowie neue Varianten. Das Gameplay fördert emergente Taktiken: Durch die Kombination von Rollen, Fahrzeugen und Gelände entstehen situative Strategien, die nicht strikt vorgegeben sind.

Rollen und Einheiten im Überblick:

  • Command: Commander
  • Infanterie: Squad Leader, Rifleman, Grenadier, Engineer, Medic, Specialist, Machine Gunner
  • Recon: Spotter, Sniper
  • Armour: Tank Commander, Crewman
  • Helicopter (nur US): Logistics Officer, Pilot
  • Mortar Squad: Observer, Support, Gunner

Zusätzlich gibt es zahlreiche Fahrzeuge, darunter Hubschrauber und Patrouillenboote. Als NVA-Spieler lassen sich Tunnel bauen, um Angriffe im Untergrund zu verlagern und überraschte Gegner auszuschalten. Für Neueinsteiger wurde das Tutorial überarbeitet und die Benutzeroberfläche an einigen Stellen modernisiert, um die Einarbeitung zu erleichtern.

Spielerlebnis: Lage vor Ort

Das Design großer Karten sorgt für cineastische Schlachten, bringt aber auch Friktionen mit sich: Wegen der Ausmaße dauern Bewegungen zwischen Zielpunkten oft lange, und es stehen verhältnismäßig wenige Fahrzeuge zur Verfügung. Das führt zu Wartezeiten und Frustration, wenn es an koordinierter Squad-Logistik fehlt — ein Problem, das sich durch die Community-Disziplin lösen ließe, in der Praxis aber häufig auftritt.

Kommunikation ist zentral, funktioniert in der Realität jedoch nicht immer zuverlässig. Viele Spieler verwenden minderwertige Mikrofone, so dass Verständigung in hektischen Gefechten schwierig wird. Die Erweiterung belohnt koordiniertes Vorgehen erheblich, verlangt dafür aber auch diszipliniertes Verhalten der Teilnehmer.

Was die Spielerzahlen angeht, sind die Vorzeichen positiv: Die Vorgängerversion hält täglich noch einige Tausend gleichzeitige Spieler, und Hell Let Loose: Vietnam erreichte bereits zum Start einen höheren Allzeit-Peak als das Original — ein Indiz für starkes Interesse am neuen Setting.

Bekannte Probleme und Ausblick

Zu den offenen Punkten zählen weiterhin das nicht funktionierende Epic-Overlay unter bestimmten Proton-Versionen und das kaputte Intro-Video, das sich wahrscheinlich durch zusätzliche Codec-Bibliotheken lösen lässt. Weiterhin ist AMD FSR zwar im Spiel implementiert, aber noch nicht aktiv geschaltet.

Die Entwickler dürften in den kommenden Updates an diesen Punkten arbeiten: Ein Patch für Proton-Kompatibilität bzw. das Overlay wäre sinnvoll, ebenso wie die Freischaltung der Upscaling-Technik und allgemeine Performance-Optimierungen für Vegetations-reiche Karten.

Fazit

Hell Let Loose: Vietnam kommt mit einem klaren Fokus auf groß angelegte, taktische Multiplayer-Gefechte und läuft unter SteamOS/Linux grundsätzlich. Easy Anti-Cheat ist aktiv und stellt mit Proton derzeit kein Hindernis dar. Es gibt aber noch technische Einschränkungen — vor allem beim Epic-Overlay, einem defekten Intro-Video und der noch nicht aktivierten AMD-FSR-Unterstützung — sowie Performance-Schwankungen je nach Karte.

Wer Teamplay mag und kein Problem mit gelegentlichen technischen Unzulänglichkeiten hat, darf die Erweiterung gerne antesten; aufgrund des frühen Stadiums und der vorhandenen Baustellen ist eine zurückhaltende, aber positive Einschätzung angebracht. Beobachter sollten Updates und Community-Feedback verfolgen, denn die Entwickler haben bereits angekündigt, einige fehlende Features nachzuliefern.

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